More believable than any didactic tirade against the death penalty. This film feels like Kafka’s In The Penal Colony, in which a monstrous apparatus is demonstrated to a visitor. Over many hours this machine writes all the sins on the skin of a condemned man until he is ripped to pieces. The executioner Donald Hocutt experiences the same psychological and physiological self-destruction.

Kölner Stadtanzeiger

4. August 1999

Gruselig

Der Henker

Donald Hocutt führt eine gespenstische Existenz: Manchmal schrickt er nachts hoch, schweißgebadet, packt in panischer Angst seinen Revolver und durchsucht jeden Winkel seines Hauses nach den Geistern seiner Toten. Die rufen und peinigen ihn, am Tage wie in der Nacht – die vergasten Schwerverbrecher, deren Todeskampf ihm immer vor Augen bleibt.

Marianne Trench porträtierte einen amerikanischen Henker, und ihr Film mutet an wie Franz Kafkas Erzählungen „In der Strafkolonie“. Dort besichtigt ein Besucher eine monströse Apparatur, die den zum Tode Verurteilten über Stunden hinweg die Strafe auf den Leib stichelt, ihn mit Nadeln völlig zerfetzt. Die grauenhafte Apparatur demonstriert der Erfinder dann am eigenen Leib.

Diese seelische und physische Selbstzerstörung erfährt Donald Hocutt: Der 44jährige, der vier Jahre lang Menschen zu Tode brachte, ist heute zu jedem Beruf unfähig. Den hartgesottenen Mann peinigt manische Depression. Sein Leben ist gezeichnet von der Schizophrenie der Todesstrafe: Obwohl er keiner Mücke etwas zu leide tun will, „glaubt“ er noch heute an die Todesstrafe, um sein Dasein zu rechtfertigen; obwohl ihn die Toten heimsuchen, lebt er mit dem fluchbeladenen Henker-Instrumenten unter einem Dach.

Marianne Trench ließ Hocutt seine schauderlichen Verrichtungen beschreiben, Archiv Aufnahmen zeigten die Todeszelle. Die Söhne des Henkers erzählten, wie sie als Kinder über Walky-Talkies den Todeskampf der Verurteilten heimlich mithörten.

Zuletzt rekonstruierte Trench, glaubhafter als jeder Lehrfilm gegen die Todesstrafe vermochte, den Werdegang des Henkers, den vermutlich die Karriere als Gefängniswärter vor einer kriminellen Laufbahn bewahrte – er tötete im Auftrag des Staates. Diesen ruinösen Kreislauf der Gewalt zeigt Marianne Trench, ohne falsches Mitleid, überließ den TV-Besucher kommentarlos dem Grusel der Strafkolonie.